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Wenn Menschen ein Extremstresserlebnis durchgemacht haben, benötigen sie organisatorische und psychologische Unterstützung, um so schnell wie möglich aus dem emotionalisierten Stresszustand wieder in die gewohnte eigenverantwortliche Rolle hinüber zu wechseln. Die Prognose für die Betroffenen ist umso besser, je schneller es ihnen gelingt, den Zustand der Überaktivierung bei gleichzeitiger Hilflosigkeit und emotionaler Zerrissenheit zu überwinden. Als Essenz langjähriger Erfahrungen mit Extremstress-Lagen haben sich die 4 Betreuungsstufen heraus kristallisiert:
Unmittelbar nach, oder besser noch in der Extremstress-Lage brauchen die Betroffenen zwischenmenschliche Ansprache, um möglichst Sicherheit und zugleich sinnvolles Handeln vermitteln zu bekommen. Ziel ist die „Entstressung“ , das Vermitteln von Sicherheit und Orientierung. Caregiver unterstützen die Betroffenen, die extremstressbedingte psychische Regression zu überwinden und schrittweise wieder die gewohnte Selbstbestimmtheit zu übernehmen. Daher ist es von grossem Vorteil, wenn man den Betroffenen möglichst schnell Caregiver zur Seite stellt, weil so psychischen Folgeschäden wirksam vorgebeugt werden kann. Optimal ist die Einbindung von Notfallpsychologen bereits in die Care-Organisation, um einerseits die Caregiver vor sekundären Traumatisierungen zu schützen, und um andererseits sofort das Psychologische Krisenmanagement einzuleiten.
Im Psychologischen Krisenmanagement werden psychologische Selbst- und Fremdschutztechniken sowie wichtige Informationen für die Besonderheiten der nächsten Tage vermittelt. Dabei werden – wenn möglich – auch die nächsten Angehörigen einbezogen mit dem Ziel, die bewältigenden Ressourcen des sozialen Netzes zu nutzen und die Verunsicherung und das Leid nach schwerwiegenden Einschnitten und Verlusten nicht ausufern zu lassen. Zugleich wird durch Notfallpsychologen und andere dafür ausgebildete Helfer eine psychologische Triage durchgeführt, um möglichst früh im Bewältigungsprozess denjenigen, die Frühwarnzeichen und Risikofaktoren für eine psychische Traumatisierung aufweisen, eine geeignete und zeitnahe weitere Hilfestellung anzubieten. Wichtig ist, dass hier möglichst eine Psychiatrisierung der Betroffenen vermieden werden soll. Daher wird bereits hier die wohnortnahe Vermittlung der Betroffenen zum Trauma-Coaching organisiert, damit sie möglichst nach ihrer Rückkehr nach Hause sofort einen kompetenten und informierten Ansprechpartner (Notfallpsychologen) haben.
Das Trauma-Coaching richtet sich an gesunde Ausgangspersönlichkeiten, die nach einer Extremstress-Exposition eine akute Belastungsreaktion aufweisen. Es handelt es sich dabei um ein Lern- und Übungsprogramm, in dem die Auswirkungen der Extremstress-Exposition erfasst und bewusst gemacht werden und in dem individuell angepasste mentale Techniken vermittelt werden. Zentrales Thema dabei ist das Erlernen der Flashback-Kontrolle mit dem Ziel, die physiologische Alarm- und Stressreaktion beim intensiven Wiedererinnern (Flashback) zu minimieren und so einer Fehlverarbeitung i.S. einer posttraumatischen Belastungsstörung mit Krankheitswert vor zu beugen.
Je nach der individuellen Fallproblematik kann bei einer eher kleinen Zahl der Betroffenen darüber hinausgehende traumatherapeutische Massnahmen nötig werden. Das ist z.B. dann der Fall, wenn vor dem aktuellen Schadenereignis schon andere psychische Traumatisierung vorgekommen waren, wenn bleibende Schäden oder Verluste zu erwarten sind oder wenn schwerwiegende körperliche Verletzungen erlitten wurden, die einen Bruch in der Lebensplanung nach sich ziehen. Diese Menschen müssen sich langfristig und grundlegend neu orientieren und benötigen neben der Bewältigung des gerade Erlittenen auch soziale Unterstützung für das Finden und den Aufbau der neuen Lebensperspektive. Diese Massnahmen können – je nach Fall und Notwendigkeit – ambulant und/oder stationär erfolgen. Ein seit Jahren bewährtes Angebot ist die kombinierte Psychotrauma-Schmerztherapie KPTS-METTNAU im Rahmen einer Sportkur, in der einer Psychiatrisierung durch konsequente Ressourcenarbeit sicher entgegen gearbeitet werden kann (siehe KPTS-Kurzbeschreibung)
Die Betreuungspyramide entspricht den psychologischen Bedürfnissen der Betroffenen entlang der Zeitachse, d.h. die zeitliche Reihenfolge ist damit vorgegeben. Die Betreuungspyramide ist die nach dem derzeitigen Erkenntnisstand beste Organisationsstruktur zur Vorbeugung von psychologischen und faktischen Kollateralschäden, die durch das sogenannte „menschliche Versagen“ entstehen können. Vor allem den Spätfolgen psychischer Traumatisierungen in Form unterschiedlicher Krankheitsbilder und sozioökonomischer Abstiege kann und sollte man frühzeitig wirksam vorbeugen. Dazu ist jedes Unternehmen und die zuständigen kommunalen bzw. kantonalen Verantwortungsträger hinzuzuziehen und fachlich in Stand zu setzten. Dafür werden Aus- und Fortbildungen angeboten (siehe Ausbildungsangebote)
Die praktischen Umsetzung in einer Notfallorganisation wird durch Art und Grösse eines Schadenereignisses (Alltagsschaden- oder Grosschadenereignis) sowie durch die Zuständigkeiten und Kostenträger bestimmt. Davon hängt selbstverständlich auch das gesamte Notfallmanagement ab, in welches sich idealerweise die psychosozialen Betreuungsmassnahmen eingliedern sollten. Dafür gibt es eine Reihe von Modellen und Möglichkeiten. Grössere Unternehmen oder Organisationen werden es möglicherweise vorziehen, das Notfallmanagement oder Teile davon selbst aufzubauen und dauernd vorzuhalten, um nach vorheriger Absprache und Einpassung im Ernstfall externe Kräfte hinzuzuziehen, wenn die eigenen nicht ausreichen. Andere, eher kleinere Einheiten können sich an eine Organisation, wie z.B. Carelink, anschliessen, die für alle die Care- Organisation und damit auch die Folgemassnahmen (siehe Betreuungspyramide) vorhält.
Es hat sich in den letzten Jahren bewährt, individuelle Betreuungsmöglichkeiten zunächst telefonisch abzubieten, die Betroffenen zu beraten und auch ein kleines Stück in die Alltagsnormalität zu begleiten, und je nach der Lage des Falles – wo nötig – mit weiteren unterstützenden Massnahmen die gesunde Bewältigung der Extremstress-Exposition sicher zu stellen. Die telefonische Betreuung hat sich bis zur Stufe Trauma-Coaching hinauf in vielen Fällen als sehr effizient erwiesen, und dabei zugleich als aufwands- und kostensparend. Hier hat sich die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen medizinischen Callenter bewährt, z.B. mit Medicall AG in Brüttisellen.
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